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Total Negation - Zeitenwende

Year: 2009 Format: DigiPak (limited to 1000 copies) Label: Temple Of Torturous
Style: Depressive Black Metal

 

Review: German Version

Total Negation dürfte den meisten Liebhabern niederdrückenden Tonguts noch in guter Erinnerung sein. Doch ebenso entsinnen sich wohl auch diejenigen, denen der immer wiederkehrende Hochjubel um diverse Depressivprojekte für gewöhnlich an den Nerven zehrt, im Sinne der Verzücktheit des schon damals so viel versprechenden deutschen Projekts.
Allen Erwartungen widerstrebend, ja, sie gar übertreffend, setzt „Zeitenwende“ allerdings nicht dort an, wo das kleine, aber feine Demo den Schlussstrich zog. Um ein Vielfaches höher nämlich prangt nun die Latte neu gesetzter Maßstäbe; auf die ersten Töne hin möchte man nur schwer glauben, dass dies de facto das Werk einer jüngst noch auf Entwicklungsbasis agierenden Ein-Mann-Band sein soll.
Gleich die Startfrequenz gibt einiges über diesen vermutlich großen Wandel in der musikalischen Ausrichtung preis, scheint man doch des langsamen und profanisierten Ganges einer jeden Gram-Kapelle müde geworden und eröffnet den vierteiligen Zyklus mit fast schon rasender Verve, um sodann vermittels eines geradezu genialen Übergangs in schwerfälligeres Tempo einzufließen. Aller Charme dieses jetzt auch hinreichend produzierten Debüts lebt von derartigen dynamischen Wechselspielen, welche nicht nur eine facettenreiche und durchaus komplexe Struktur garantieren, sondern gleichermaßen hinsichtlich der Expressivität ein weites Feld von Möglichkeiten und Variationen schaffen, und so ist man aufseiten Total Negations ersichtlich darum befleißigt, diesen Raum adäquat zu nutzen.
Mit großer Feinfühligkeit und dem allgemein sehr ausgeprägten Gespür für aufwühlende Melodien, die immerzu von hochtonigen Begleitspielen akzentuiert werden, drängt „Zeitenwende“ voran - ohne großartiges Klischeebeharren. Besonders attraktiv ist dabei das Mal um Mal mit gekonnter Dezenz eingearbeitete Erscheinen effektbelegter, sphärischer Klänge, die einerseits in der Verwendung eines Keyboards und andererseits im kreativen Umgang mit den Saiteninstrumenten wurzeln. Vor allem bezüglich atmosphärischen Belangen beweist dieser Zug ungemeine Wirksamkeit und trägt neben der Symbiose von charakteristischer Schwermut und einer leisen morbiden Zwischenwelt entscheidend bei zu omnipräsenter Tiefgründigkeit.
Abseits der musikalischen Qualitäten des Albums allerdings liegt ein weiterer, eminent wichtiger Gesichtspunkt, der ob seiner schieren Offensichtlichkeit fast untergeht: Total Negation wandeln jenseits vieler Konventionen, losgelöst vom klischeegeschwängerten und primitiven Usus der Selbstmordelite, fixiert auf die Perfektion des eigenen Ausdrucks. Derselben kommt man hier beträchtlich nahe.

(8.5/10) in Worte gefasst von Frostkrieg

 

Review: English Version

To the most conoisseurs of lugubrious tones Total Negation should still stand in connection with good memories. But even those, whose nerves are usually tortured by the always recurring jubilation around diverse depressive projects, recall the already then promising German project in the sense of ecstasy.
Disputing against all expectations, yes, even exceeding them, “Zeitenwende”, however, doesn’t continue at the point where the small but fine demo drew the final stroke. Namely, the scale of newly set standards has been lifted many times higher now; in the first winks one believes only hardly that this is de facto the work of a one-man-band recently still operating on a basis of development.
Directly, the starting frequency reveals a lot of the assumedly big change of the musical direction, since one seems to be tired of the slow and profanised rhythm of every grief-chapel and opens the quadripartite cycle with almost furious verve, for then by dint of a virtually genius bridge flowing into a more cumbersome tempo. All the charm of this now appropriately produced debut lives from suchlike dynamic interplays, which guarantee not only a manifold and thoroughly complex structure, but likewise create a vast field of opportunities and variations regarding expressiveness, and thus one is considerably at pains to adequately make use of this space.
With great tactfulness and a generally much matured sense of stirring melodies, which are always accentuated by high-tone conduction-plays, “Zeitenwende” pushes forward – without any worth-mentioning cliché-persistence. In this connection, the discretely worked in appearance of effect-covered, spherical sounds, which on the one hand are rooted in the use of a keyboard and on the other in the creative handling of stringed instruments, is especially attractive. Foremost according to atmospheric issues this move proofs to be extraordinarily efficient and beside the symbiosis of characteristic megrim and a silent morbid world of fiction decisively contributes to omnipresent profundity.
However, apart from the musical qualities of the album lies a further, eminently important aspect, which almost perishes by virtue of its obviousness: Total Negation wanders beyond many conventions, loosen from the cliché-impregnated and primitive customs of the self-proclaimed suicide-elite, fixated on the perfection of the own expression. One comes pretty close to that.

(8.5/10) translated by Frostkrieg